Kinderdepot oder Kinder-Police – was ist wirklich besser?
Spezialist für Finanz- und Fürsorgekonzepte für Familien
Es ist die häufigste Frage, die uns Eltern zum Thema Geldanlage stellen: „Sollen wir für unser Kind ein Depot eröffnen oder lieber eine Versicherung abschließen?" Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an – vor allem auf eine einzige Frage. Welche das ist und wie ihr sie für euch beantwortet, klären wir hier in Ruhe.
Zwei Hüllen für dasselbe Ziel
Zuerst ein Missverständnis aus dem Weg räumen: „Depot" und „Police" sind keine Geldanlagen – sie sind nur die Hülle drumherum. In beiden können exakt dieselben breit gestreuten ETFs stecken. Der Unterschied liegt nicht darin, worin investiert wird, sondern wie die Hülle rechtlich und steuerlich behandelt wird. Und genau dieser Rahmen entscheidet, welche Variante für euch die richtige ist.
- Das Kinderdepot ist ein Wertpapierdepot, das auf den Namen des Kindes läuft.
- Die Police (eine fondsgebundene Versicherung) ist ein Vertrag, in dem dieselben ETFs im Versicherungsmantel liegen.
Das Kinderdepot – Stärken und Schwächen
Das Depot ist der Klassiker: schlank, flexibel und meist sehr günstig im laufenden Betrieb. Ihr habt Zugriff auf eine riesige Auswahl und kommt jederzeit unkompliziert an das Geld. Aber es gibt Punkte, die viele Eltern erst spät auf dem Schirm haben – und der wichtigste zuerst:
- Die Kontrolle endet schlagartig mit 18. Ein Depot auf den Namen des Kindes gehört rechtlich dem Kind. Mit dem 18. Geburtstag bekommt es Post von der Bank – sinngemäß: „Hier ist dein Depot, hier ist dein Konto." Ab diesem Moment seid ihr als Eltern rechtlich vollständig raus. Der Brief geht an euer Kind, und ihr habt nichts mehr zu melden – nicht einmal eine Umschichtung könnt ihr noch veranlassen. Jede Entscheidung muss euer dann voll geschäftsfähiges Kind selbst treffen und unterschreiben. Und niemand weiß heute, in welcher Lebensphase euer Kind mit 18 gerade stecken wird.
- Der unterschätzte Faktor Mensch. Das ist streng genommen kein Nachteil der Hülle, sondern der Praxis: Ein Kinderdepot wird in aller Regel von niemandem professionell betreut. Und sobald die Börse schwankt, schlagen die typischen Anlegerfehler zu – aus Angst am Tiefpunkt verkaufen, aus Euphorie am Höchststand kaufen, ständiges Hin und Her. Studien zeigen, dass Privatanleger dadurch über die Jahre spürbar Rendite liegen lassen. Wer ohne Begleitung investiert, trägt dieses Risiko allein.
- BAföG & Co. Vermögen im Namen des Kindes wird bei einer späteren BAföG-Prüfung angerechnet, sobald es über dem Freibetrag (aktuell rund 15.000 €) liegt – und kann die Förderung kürzen.
- Die Vorabpauschale. Sie klingt komplizierter, als sie für die meisten Familien anfangs ist: Der Staat besteuert bei thesaurierenden Fonds im Depot vorab einen kleinen fiktiven Ertrag. Solange ihr die Freibeträge eures Kindes nutzt – neben dem Sparer-Pauschbetrag (aktuell 1.000 €) lässt sich über eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung oft auch der Grundfreibetrag des Kindes (aktuell über 12.000 €) einsetzen – fällt das in der Ansparphase kaum ins Gewicht. Wichtig wird der Punkt erst, wenn das Depot langfristig laufen soll: Möchte euer Kind es später vielleicht als Baustein der Altersvorsorge weiterführen, summiert sich die jährliche Vorabbesteuerung über Jahrzehnte – und genau hier spielt die Police ihre Stärke aus.
Die eine Frage, die ihr euch vorab ehrlich stellen solltet: Wollt ihr die Kontrolle über das Ersparte wirklich vollständig aus der Hand geben, sobald euer Kind 18 wird? Wenn ihr da auch nur kurz zögert, ist das der wichtigste Hinweis überhaupt – denn genau an diesem Punkt trennen sich Depot und Police.
Die FINKIDZ-Police – Stärken und Schwächen
Die fondsgebundene Police dreht die entscheidenden Schwächen des Depots um – allen voran die wichtigste:
- Ihr behaltet die Kontrolle – auch über den 18. hinaus. Nicht das Kind, sondern ihr als Eltern bestimmt, wann und in welcher Höhe ausgezahlt wird. Kein automatischer Kontrollverlust, kein Brief der Bank ans Kind. Weil niemand vorhersagen kann, in welcher Situation euer Kind mit 18 steckt, ist das für viele Familien der eigentliche Grund für die Police.
- Keine Vorabpauschale in der Ansparphase. Weil die Police rechtlich ein Versicherungsvertrag ist, greift die jährliche fiktive Besteuerung hier nicht – das Geld arbeitet ungestört weiter.
- Steuerlich attraktiv bei langer Laufzeit. Wird die Police lange gehalten und erst spät ausgezahlt, ist die Besteuerung der Gewinne deutlich günstiger als im Depot.
Und der Preis dafür – ehrlich und differenziert betrachtet: Ihr kommt nicht ganz so schnell an das Geld wie im Depot. Dort setzt ihr einen Auftrag ab, tippt die TAN ein, und vier bis fünf Werktage später ist die Auszahlung da. Bei der Police schreibt ihr stattdessen eine kurze Mail (bei manchen Anbietern geht die Auszahlung auch online), und weil ausgezahlt wird, sind es je nach Zeitpunkt im Monat auch mal vier bis fünf Wochen bis zum Geldeingang. Also nicht ganz so flott wie das Depot – aber immer noch schnell genug, um auf alles im Leben reagieren zu können.
Der Punkt, den kaum jemand erklärt: Honorar statt Provision
Jetzt kommt das Entscheidende, das über „gut" oder „schlecht" bei der Police bestimmt: Dieser Weg über den Versicherungsmantel ergibt nur über Honorar Sinn. Die in Deutschland leider noch üblichen Provisionstarife sind oft so teuer, dass sie am Ende gegen ein schlichtes Kinderdepot verlieren – und zu Recht warnen Verbraucherschützer davor.
Was in dieser Warnung aber fast immer untergeht: Bei einem Honorartarif mit dem kleinsten Versicherungsmantel (sozusagen Größe XS), der rechtlich gerade noch als Versicherung durchgeht, sieht die Rechnung völlig anders aus. Er ist so günstig, dass er kostentechnisch dicht an das Depot heranrückt – die Unterschiede in der Ablaufleistung mit 18 sind wirklich nur noch marginal. Dafür kauft ihr euch zwei Dinge ein, die das Depot nicht bieten kann: die Möglichkeit, den Vertrag später steuerlich schonend weiterlaufen zu lassen, und – das Wichtigste – die Kontrolle über den 18. Geburtstag hinaus.
Diese Unterscheidung wird in der breiten Verbraucher-Aufklärung bislang kaum gemacht: Bekannte Ratgeber – etwa Finanztip oder Stiftung Warentest – und die Verbraucherzentralen empfehlen meist die Depot-Lösung, unterscheiden dabei aber selten zwischen einer teuren Provisions-Police und einem schlanken Honorartarif. Aus unserer Sicht wird das Familien nicht gerecht – und wir arbeiten daran, das zu ändern.
Was ist denn nun besser?
Die entscheidende Frage ist nicht „Depot oder Police?", sondern: „Wofür und für welchen Zeitraum spare ich?"
- Kürzere Ziele, maximale Flexibilität nötig? Das Depot spielt seine Stärken aus.
- Langfristiger Aufbau, Kontrolle über den 18. hinaus, steuerlich schonend? Die (Honorar-)Police liegt vorn.
Und der vielleicht wichtigste Gedanke: Das eine tun heißt nicht das andere lassen. In vielen Familien ist die klügste Lösung eine Kombination – das Depot für die kürzeren Wünsche, die Police für den langen Horizont. So nutzt ihr die Stärken beider Hüllen, statt euch für die Schwächen einer einzigen zu entscheiden.
Der FINKIDZ-Weg: erst denken, dann entscheiden
Weil wir als Honorarberater arbeiten, verdienen wir nicht an einem bestimmten Produkt – sondern an der ehrlichen Konzeption. Uns ist es also völlig gleich, ob am Ende ein Depot, eine Police oder beides steht. Was zählt, ist, was zu eurer Familie, euren Zielen und eurem Zeithorizont passt. Genau das schauen wir uns gemeinsam an.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine, verständlich gehaltene Information und keine individuelle Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Steuerliche Regelungen und Freibeträge können sich ändern; genannte Beträge geben den ungefähren aktuellen Stand wieder. Für eine auf eure Situation zugeschnittene Empfehlung sprecht ihr am besten persönlich mit uns.
Neugierig, was für eure Familie passt?
Im kostenlosen Erstgespräch gehen wir eure Situation gemeinsam durch – ehrlich, unverbindlich und ohne Verkaufsdruck.
Kostenloses Erstgespräch buchen Weitere Artikel lesen